Ehemals Königliche Hoftheater, 1909 bis 1912 von Max Littmann als Doppeltheater mit Opern- und Schauspielhaus erbaut. 1924 wurden die Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Erhalten blieb nach dem II. Weltkrieg nur das mit klassizistischen Säulen geschmückte Große Haus.
Im Schauspielhaus finden Veranstaltungen des Schauspiel Stuttgart und des Stuttgarter Balletts statt. Nach Diskussionen über eine Wiedererrichtung begann man 1959 nach der Kriegszerstörung an alter Stelle mit einem Neubau nach Entwürfen von Hans Volkart. 1962 konnte das Schauspiel den Spielbetrieb im Kleinen Haus aufnehmen. 2002 wurde der Bau in Schauspielhaus umbenannt. Das Schauspielhaus wurde von 2010 bis 2013 grundständig saniert und im September 2013 wiedereröffnet.
Richard, Duke of Gloster, dessen Bruder Edward gerade den Thron bestiegen hat, will selbst König von England werden. Derweil er Edward um seine Macht beneidet, beginnt Richard insgeheim mit Intelligenz, seiner Fähigkeit zur Täuschung und politischer Intrige darauf hin, das Amt zu übernehmen.
Hierfür ermordet er nicht nur seine Verwandten, die in der königlichen Erbfolge vor ihm stehen, sondern ebenso alle, die sich ihm und seinem absoluten Herrschaftsanspruch entgegenstellen. So gelingt es ihm durch meisterhafte Manipulation, Lady Anne, die tief in Trauer versunken ist, zu heiraten. Sie ahnt nicht, dass er der Mörder ihres Mannes ist. Weitere Widersacher seiner Herrschaft verschwinden hinter den Mauern des Towers und kehren nie zurück. Als er endlich auf dem Höhepunkt seiner Macht angelangt ist, versammeln sich jedoch seine Gegner und Gegnerinnen, um ihn endgültig zu Fall zu bringen.
Im Gegensatz zur historischen Biografie von Richard III. überdauerte eine andere Charakterstudie die Nachwelt: Kein Geringerer als William Shakespeare zeigt in seinem frühen Drama (Uraufführung 1593) den zynischen und kaltblütigen Kampf der Adelshäuser York und Lancaster um Englands Thron während der sogenannten Rosenkriege im 15. Jahrhundert. So ist die Figur Richard III. in ihrer Ambivalenz sowohl eine Geschichtsfälschung als auch eine abgrundtief faszinierende Tragödienfigur. Hinter seinem fanatischen Machtanspruch verbirgt sich nicht nur ein ausgeklügeltes Kalkül, sondern auch eine zutiefst verstörte Seele. Als politischer Stratege, raffinierter Verführer, Vergewaltiger und Mörder erbaut er sich ein Herrschaftssystem, das geprägt ist von Machterhalt, Egomanie, Skrupel- und Empathielosigkeit, gepaart mit Größenwahn.
Wie seine Herrschaft und die Faszination des Bösen in unsicheren Zeiten enden werden, ist bekannt. Doch wie steht es um die zeitlose Frage nach unmoralischem Handeln zum Zwecke des Machterhalts und um die Sehnsucht nach autoritären Strategien?
Inszenierung: Andreas Kriegenburg
Bühne: Harald B. Thor
Kostüme: Andrea Schraad
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Katja Prussas
ab Klasse 10
Termine
Fr 16.10.2026, 19:30 | Premiere
Sa 17.10.2026, 19:30
Di 20.10.2026, 19:30und weitere Termine
Mo 9.11.2026, 19:30
Mo 16.11.2026, 19:30
Sa 5.12.2026, 19:30
Sa 12.12.2026, 19:30
Fr 29.1.2027, 19:30
Sachlich und nüchtern fasste der Autor Hans Fallada die Handlung seines Romans zusammen: „Ehe und Wehe von Johannes Pinneberg, Angestellter, verliert seine Stellung, bekommt eine Stellung, wird endgültig arbeitslos. Einer von sechs Millionen, ein Garnichts, und was der Garnichts fühlt, denkt und erlebt.“
Der „kleine“ Mann, das ist Pinneberg, der mit seiner Frau Emma, genannt Lämmchen, und dem gemeinsamen Kind mit aller Kraft und doch vergeblich versucht, ein bürgerliches Leben zu führen. Fallada beschreibt den täglichen Überlebenskampf von der Hand in den Mund des frisch verheirateten Paars. Jeder Pfennig muss umgedreht, jeder Schritt und jede Anschaffung genau bedacht werden. Denn die Zeiten sind wüst und prekär: Massenarbeitslosigkeit, die Sorge davor, selbst „abgebaut“ zu werden, „stempeln gehen“ zu müssen, das immerwährende Damoklesschwert des sozialen Abstiegs, Zukunftsangst: Was nun?
1932 erschienen, am Vorabend der nationalsozialistischen Machtergreifung und in den letzten Zügen der krisengeschüttelten Weimarer Republik, traf der Roman einen Nerv und wurde als „Falladas Volksbuch“ zum Welterfolg. Erst 2016, über 80 Jahre später, erschien die vollständige Originalfassung – ein Viertel des Textes war aus verlags- und gesellschaftspolitischen Gründen getilgt worden: Berliner Lokalkolorit, Szenen aus dem rauschhaften Nachtleben der frühen 1930er-Jahre, sexuelle Freizügigkeit und politische Einordnung der Figuren in Nazis oder Kommunist*innen – scharfe Beobachtungen an diesem verhängnisvollen Kipppunkt der deutschen Geschichte sind hier endlich abgebildet.
Zino Wey beleuchtet in seiner Inszenierung die Zeitlosigkeit und Aktualität der Sorgen des „kleinen“ Mannes: Zeitenwende, Wertewandel, Verrohung, Populismus – Parallelen zwischen der Weimarer Zeit und der unsrigen drängen sich auf und die titelgebende Frage stellt sich erneut. Pinneberg und Lämmchen aber haben zumindest einander und geben sich Halt durch alle Krisen hindurch.
Inszenierung / Bühne / Video: Zino Wey
Kostüme: Pascale Martin
Musik: Lukas Huber
Licht: Marc Döbelin
Kamera, Schnitt (Filmdreh): Roman Müller
Mitarbeit Video: Fee-Valerie Böhme
Dramaturgie: Linda Graf
Dramaturgische Beratung: Gwendolyne Melchinger
ab Klasse 10
Termine
Sa 17.10.2026, 19:30 | Premiere
Fr 23.10.2026, 19:30
Sa 24.10.2026, 19:30und weitere Termine
von Alina Sarnatska, Maryna Smilianets und Luda Tymoshenko
Premiere: 27.11.2026
In einer Übersetzung von Lydia Nagel
In einer gemeinsam angelegten Trilogie erzählen die ukrainischen Autorinnen Alina Sarnatska, Luda Tymoshenko und Maryna Smilianets von den sehr unterschiedlichen Erfahrungen dreier ukrainischer Frauen, die vor dem russischen Angriffskrieg nach Deutschland geflohen sind, von ihren jeweiligen, teils gegensätzlichen Aussichten in der neuen Heimat und ihrer ganz individuellen Gespaltenheit:
Viktoria trägt liebevolle Erinnerung an ihre Kindheit unter den Handwerkskollegen ihres Vaters ebenso in sich wie den schmerzhaften Verlust ihrer Mutter. Beides schlägt sich in ihrem eigenen künstlerischen Schaffen nieder: Mit größter Sorgfalt reinigt sie die Skelette gefundener Kleintierkadaver und setzt sie minutiös wieder zusammen – eine makabre Leidenschaft, aus der dennoch eine unverhoffte Verbindung keimt.
Für Frau Kosak wiederum hat der Krieg schon lange vor 2022 begonnen – nur war es ein persönlicher Kampf ums Überleben in gewaltvollen Beziehungsverhältnissen, zwischen Fremdbestimmung und dem Wunsch nach einem eigenen Leben. Ihr eröffnet sich ihr mit der Flucht die Möglichkeit einer doppelten Befreiung, die Chance auf ein zweites Leben.
Wieder anderes erlebt die junge Schauspielerin Natalka, die sich in Deutschland aufgrund einer Angststörung in Behandlung befindet. Sie hadert mit der alten Heimat, die sie verlassen musste, und der vermeintlichen Sicherheit in ihrer neuen. Gefühle der Dankbarkeit und gleichzeitigen Entfremdung wüten in ihr und stören den erhofften Frieden eines gemeinsamen Neujahrsfests mit ihrer älteren fürsorglichen Kollegin Lisa.
Mit Sonja Geiger, Nicolas Heußner und Merle Zurawski treffen drei junge Regisseur*innen auf diese Geschichten und eröffnen einen Raum der Reflexion über Verlust und widerständigen Optimismus, über das eigene Selbst und seinen Platz in einer Welt, die in ihrer Flüchtigkeit immer weniger Halt bietet.
Inszenierung: Sonja Geiger, Nicolas Heußner, Merle Zurawski
Bühne: Daniel Gäfgen
Kostüme: Anna Luna Hieronimus
Musik: Till Meiler, Leonie Requardt
Licht: Peter Krawczyk
Dramaturgie: Linda Graf, Philipp Schulze
ab Klasse 9
Termine
Fr 27.11.2026, 19:30 | Premiere
So 29.11.2026, 19:30
Do 10.12.2026, 19:30und weitere Termine
Fr 11.12.2026, 19:30
Mi 23.12.2026, 19:30
So 27.12.2026, 19:30
Die Lagunenstadt Venedig wird zum magischen Schauplatz dieser Geschichte: Nach dem Tod ihrer Mutter fliehen die beiden Brüder Bo und Prosper vor ihrer gemeinen Tante Esther nach Italien. Esther möchte nämlich den jüngeren Bo adoptieren, Prosper dagegen in ein Heim stecken. In der Lieblingsstadt ihrer Mutter suchen sie Schutz und finden ihn in einem verlassenen Kino, bei einer Bande von Straßenkindern. Ihr Anführer ist der geheimnisvolle Scipio, ein Junge mit Maske. Er ist der „Herr der Diebe“. Mit waghalsigen Coups und Überfällen auf die Reichen der Stadt versorgt er seine Bande mit Geld und Essen. Doch hinter Scipios Maske und den bunten Karnevalsmasken Venedigs verbirgt sich mehr: magische Legenden und dunkle Geheimnisse. Detektiv Victor, der Bo und Prosper ausfindig machen soll, bleibt den Jungs dabei dicht auf den Fersen in einer Stadt zwischen Land und Wasser, zwischen rauer Wirklichkeit und Märchen. Hier ist die Kinder-Gang auf sich gestellt, teilt Beute und Verantwortung. Sie wollen selbst entscheiden, wer sie sind. „Wovon haben Erwachsene geträumt, als sie noch Kinder waren? Weißt du es? Ich glaube, sie träumten davon, endlich erwachsen zu sein.“
Die weltberühmte Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke hat selbst einmal gesagt, dass sie es als Kind kaum erwarten konnte, erwachsen zu werden. Aus dieser Perspektive entsteht eine Geschichte über zwei Sehnsüchte: den Wunsch, Kind zu bleiben – frei und unangepasst –, und den Wunsch, endlich groß zu sein – selbstbestimmt und unabhängig. Herr der Diebe erzählt dabei eine aufregende Abenteuer- und Detektivgeschichte: von Masken und Identitäten, von Freundschaft als Wahlfamilie, von der Zerbrechlichkeit der Kindheit und von ihrer Kraft.
Inszenierung: Magdalena Schönfeld
Bühne: Martin Kukulies
Kostüme: Clara Rosina Straßer
Musik: Jan Anna Werge
Licht: Marc Döbelin
Dramaturgie: Benjamin Große
ab Klasse 2
Termine
So 29.11.2026, 16:00 | Premiere
Mo 30.11.2026, 10:00
Fr 4.12.2026, 10:00 | für Schulenund weitere Termine
Mo 7.12.2026, 10:00 | für Schulen
Di 8.12.2026, 10:00 | für Schulen
Mi 9.12.2026, 10:00 | für Schulen
Mo 14.12.2026, 10:00 | für Schulen
Di 15.12.2026, 10:00 | für Schulen
Mi 16.12.2026, 10:00 | für Schulen
So 20.12.2026, 15:00 | für Familien
So 20.12.2026, 18:00 | für Familien
Mo 21.12.2026, 10:00 | für Schulen
Fr 25.12.2026, 15:00 | für Familien
Fr 25.12.2026, 18:00
Zwischen zwei Menschen entsteht manchmal, wie selten, eine Welt
Eine theatrale Erkundung zu Hannah Arendt und Totenauberg von Elfriede Jelinek
Hannah Arendt gibt die Welt nicht auf, sie will sie verstehen. Denn Verstehen bedeutet für sie „die spezifisch menschliche Weise, lebendig zu sein“, aber auch „unvoreingenommen und aufmerksam der Wirklichkeit, wie immer sie ausschauen mag, ins Gesicht zu sehen und ihr widerstehen“. Faschismus, Konformismus und Gewalt prägten ihr Leben. Verstehen-Wollen war dabei auch eine Form des Widerstands. Den Mut dazu schöpfte sie aus dem ihr eigenen Urvertrauen, dem „Weltvertrauen“ des gemeinsamen Menschseins. Für sie ist Denken ein innerer Dialog, der erst im Austausch mit anderen entsteht. Aus Begegnungen mit bedeutenden Intellektuellen ihrer Zeit wurden intensive Freundschaften, wie mit Günther Anders (mit dem sie für kurze Zeit verheiratet war), Karl Jaspers, Walter Benjamin, Hans Jonas, Gershom Scholem, Theodor W. Adorno oder mit ihrem zweiten Mann Heinrich Blücher. In diesen Freundschaften fand sie eine Heimat, die sie mit dem Nationalsozialismus verloren hatte.
1924 begann Hannah Arendt bei Martin Heidegger Philosophie zu studieren. Ein geheimes Liebesverhältnis mit dem verheirateten Heidegger war die Folge. Trotz seines Engagements im Nationalsozialismus sowie seiner Mitgliedschaft in der NSDAP – die einen tiefen Bruch in der Beziehung nach sich zog – blieb eine lebenslange, intellektuelle und persönliche Verbundenheit bestehen.
Elfriede Jelineks Theatertext Totenauberg, angelehnt an Todtnauberg, wo Heidegger zeitweise lebte, setzt sich ebenso mit dessen zerstörerischem Naturkult wie mit der Beziehung zu seiner Meisterschülerin auseinander. Anders als Heideggers berüchtigtes Schweigen brachte Arendt die Vergangenheit vielstimmig zum Sprechen: die eigene Flucht, den nationalsozialistischen und den stalinistischen Terror. 1961 verfolgte sie, inzwischen amerikanische Staatsbürgerin, als Reporterin den Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem. Die Inszenierung nähert sich dieser unbestechlichen Denkerin des 20. Jahrhunderts basierend auf ihren eigenen Briefen und Texten sowie auf Jelineks Stück. Sie findet an unterschiedlichen Orten im Schauspielhaus statt.
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Video: Sebastian Pircher (impulskontrolle)
Licht: Jörg Schuchardt
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
ab Klasse 10
Dauer – ca. 5:00 Std,
1. Pause nach ca. 1:20 Std.
2. Pause nach ca. 3:15 Std.
Termine
Sa 10.10.2026, 18:00
So 11.10.2026, 18:00
Mo 26.10.2026, 18:30und weitere Termine
Di 27.10.2026, 18:30
Sa 21.11.2026, 18:00
So 22.11.2026, 18:00
Do 10.12.2026, 18:30
Fr 11.12.2026, 18:30
Sa 9.1.2027, 18:00
So 10.1.2027, 18:30
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Schauspiel
Die Räuber
von Friedrich Schiller
Mit Texten von Thomas Melle
„Gab Sie uns doch Erfindungsgeist mit, setzte uns nackt und armselig ans Ufer dieses riesen Oceans Welt – Schwimme wer schwimmen kann und wer zu plump ist, gehe unter!“
Franz Moor versteht es trickreich, seinen Vater Maximilian gegen seinen Bruder Karl auszuspielen und aufzuhetzen. Ihre Lebenspläne könnten nicht unterschiedlicher sein: Auf der einen Seite Karl, dessen Ziele in einer ungerechten Welt zunächst nachvollziehbar scheinen, und auf der anderen Seite Franz, der getrieben ist von der Sehnsucht nach väterlicher sowie weiblicher Anerkennung.
Als Karl sich radikalisiert und Kopf einer Räuberbande wird gerät die alte Welt ins Wanken. Künftig soll alles anders und das Bisherige auf den Kopf gestellt werden, doch zu welchem Preis? Karl und seine Bande verlieren im Laufe der Zeit jegliches Maß, brandschatzen und vergewaltigen. Am Ende obsiegt pure Verachtung. War es das wert?
Derweil ist Amalia, verstrickt in die Familie Moor, ihrer Zeit weit voraus und hat ihre ganz eigene Perspektive auf die männliche Geschichtsschreibung.
Autor und Kleist-Preisträger Thomas Melle (Die Welt im Rücken) ergänzt Schillers skandalöses Sturm-und-Drang-Drama 2026 mit komplexen Zeitfragen und befragt den Stoff neu.
Inszenierung: Stefan Pucher
Bühne: Nina Peller
Kostüme: Annabelle Witt
Musik: Christopher Uhe
Live-Video: Tobias Dusche
Video: Hannes Francke, Ute Schall
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Katja Prussas
In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Dauer – ca. 2:40 Std., eine Pause nach 1:15 Std.
Ab Klasse 8
Termine
Mo 12.10.2026, 19:30
So 18.10.2026, 18:00
Sa 31.10.2026, 19:30und weitere Termine
Fr 6.11.2026, 19:30
Mo 30.11.2026, 18:00
Di 1.12.2026, 10:00 | für Schulen
Mi 9.12.2026, 19:30
Di 22.12.2026, 19:30
Dann zieh doch Deine alte Cordhose an! Natürlich bleibt auch diese lieb gewonnene Pointe zentraler Bestandteil der Spielplananalyse 26/27. Gerade in Zeiten allgemeiner Unsicherheiten ist es wichtig, den Menschen nicht verhandelbare Werte zu vermitteln. Allerdings werden wir uns den Herausforderungen der Konkurrenz aus China nicht verschließen. In Zusammenarbeit mit KI-Spezialisten wurden Titelteile deshalb von 25/26 auf 26/27 verändert. Alte Witze unter neuen Titeln – alles andere macht die Ränder stark! SPIELPLANANALYSE 26/27 ist ein klares Bekenntnis zum Standort Baden-Württemberg. Gastspiele in Ungarn und der Slowakei haben mir den Wert des Stuttgarter Fachpublikums noch einmal drastisch vor Augen geführt. Eine gemeinsame Sprache hilft. Mag sie auch noch so einfach sein. Der Respekt vor den Kolleg:innen des Ensembles verbietet es mir auch in der kommenden Spielzeit, die Aufführungen anzuschauen. Die Analyse soll aus sachlicher Distanz erfolgen, mit der kalten Nüchternheit des Forschers. Als Zuschauer ist man häufig von der Attraktivität der Protagonist*innen so fasziniert, dass es den analytischen Blick trübt. Mag der Abonnierende auch nie gekannte Momente inneren Friedens erleben, wenn sein Gehirn gekitzelt wird – für den aus Steuergeldern bezahlten Analytiker gehört es sich nicht. So viel Anstand ist altmodisch, ich weiß. Aber in zahlreichen Mails schreibe ich mir dafür viel Zuspruch. Lassen Sie uns gemeinsam die Hütte vollmachen, oder wie wir Schwaben sagen:
Termine
Mo 19.10.2026, 19:30
Di 15.12.2026, 19:30
Mo 15.2.2027, 19:30und weitere Termine
Do 4.3.2027, 19:30
Do 6.5.2027, 19:30
Mi 16.6.2027, 19:30
Sa 24.7.2027, 19:30
Unterweltgröße Macheath, genannt Mackie Messer, verfügt über wahrhaft gute Kontakte zu seinem alten Kriegskameraden und amtierenden Polizeichef Brown. Daher bleiben er und sein Clan trotz zahlreicher Verbrechen im Kessel der Großstadt weiterhin auf freiem Fuß. Auch privat könnte es für den „Gentlemanganoven“ nicht besser laufen. Hals über Kopf hat er sich mit Polly Peachum vermählt. Sie ist nicht nur seine neuste Eroberung, sondern auch die Tochter des legendären Bettlerkönigs Jonathan Jeremiah Peachum, Besitzer der Firma „Bettlers Freund“. Mackie will das traditionelle Geschäftsimperium der neuen Schwiegereltern klammheimlich an sich reißen. Seine sexuelle Freizügigkeit samt Lügenkonstrukt bringen ihn jedoch zu Fall und schlussendlich vor ein Gericht. Kann die Justiz im Gerichtsverfahren Macheaths lustvollem Spiel mit Varianten menschlicher Niedertracht (Korruption, Vetternwirtschaft, Kriegstreibereien, Profitgier, Betrug, Verrat und Mord) Einhalt gebieten? Oder hängen nicht vielmehr alle in der Stadt irgendwie in der Sache mit drin?
Ungezügelte Leidenschaft & True Crime: Die Dreigroschenoper. Mit provozierender, sinnlicher und simpler Kraft glückte dem anarchistischen Trio und wohl ersten Theaterkollektiv des 20. Jahrhunderts Brecht, Hauptmann und Weill 1928 am Theater am Schiffbauerdamm ein Überraschungscoup. Kurt Weill sampelte für seine Komposition u. a. Elemente des Jazz mit Tanz- und Jahrmarktsmusik und erfand musikalische Parodien auf die europäische Opern- und Operettentradition. Weills musikalische Klangfülle und Experimentierfreudigkeit erweiterte Brechts krude und widersprüchliche Geschichte samt seinen sinnlich-lebendigen Typen. Elisabeth Hauptmann wiederum ist es zu verdanken, dass Die Dreigroschenoper ihren Weg auf die Bühne fand.
Inszenierung: Viktor Bodó
Musikalische Leitung: Klaus von Heydenaber
Bühne: Zita Schnábel
Kostüm: Hanna Erös
Choreografie: Eva Duda
Video: Vince Varga
Licht: Jörg Schuchardt
Dramaturgie: Katja Prussas, Anna Veress
Dauer – ca. 3:10 Std, eine Pause nach ca. 1:55 Std
Termine
Do 22.10.2026, 19:30 | Wiederaufnahme
So 25.10.2026, 18:00
Sa 7.11.2026, 19:30und weitere Termine
So 15.11.2026, 15:00
Fr 4.12.2026, 19:30
Fr 18.12.2026, 19:30
Do 31.12.2026, 19:00
Fr 15.1.2027, 19:30
Di 16.2.2027, 19:30
Fr 26.2.2027, 19:30
Mi 10.3.2027, 19:30
Etwas ist faul im Staate Dänemark. Unlängst ist der alte König verstorben, es heißt, eine Schlange habe ihn gebissen, während er im Garten schlief. Zurück lässt er ein Land im wachsenden Konflikt mit seinem norwegischen Nachbarn, eine Witwe, die ihren Schwager ehelicht, und inmitten all dessen seinen Sohn, den jungen Prinzen Hamlet. Die Nachricht vom Tod seines Vaters reißt ihn aus seinen Studien in Wittenberg und führt ihn zurück an den heimischen Hof von Helsingör. Als man ihm dort zuträgt, der Geist des verstorbenen Königs erscheine Nacht für Nacht auf den Mauern der Burg, sucht er ihn auf, um so die wahren Umstände seines Todes zu erfahren. Von seinem Bruder und Thronfolger Claudius, Hamlets Stiefvater, hinterlistig ermordet, fordert der Geist seinen Sohn zur Rache auf. Innerlich zerrissen, beschließt Hamlet, fortan Wahnsinn vorzutäuschen, um dem Argwohn seiner Familie und des Hofes zu entgehen. Polonius, Vertrauter des neuen Königs Claudius, vermutet zunächst, dass die Liebe zu seiner Tochter Ophelia der Grund für Hamlets Wahn sei. Während Hamlet alles daran setzt, die Schuld seines Stiefvaters zu beweisen, versucht das Königspaar, dem Prinzen nachzustellen. Im Kampf zwischen Aufklärung und Vertuschung überschlagen sich die Ereignisse, und nach und nach verfangen sich die Figuren im tödlichen Netz der Intrige.
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Bühne: Florian Etti
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Kampfchoreografie: Annette Bauer
Video: Sebastian Pircher
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
Ab Klasse 8
In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Dauer: ca. 3:00 Std., eine Pause
Termine
Sa 24.10.2026, 19:30 | Wiederaufnahme
Do 5.11.2026, 19:30
Di 24.11.2026, 19:30und weitere Termine
In einer Bühnenfassung von Lucia Bihler und Gwendolyne Melchinger
Es beginnt mit einem Verlust. Dem Verlust von Büchern, von vielen, sehr vielen Büchern, einer ganzen Bibliothek. Wie es dazu kam, dass einem Schriftsteller seine ganzen Bücher verloren gingen – davon und von noch viel mehr erzählt Thomas Melle in seinem Roman Die Welt im Rücken. Es ist die Chronik einer bipolaren Erkrankung, das fesselnde und atemberaubende Manifest eines schreibenden Ichs. Melles Roman ist eine literarische Wucht, poetisch, hochkomisch, dramatisch, präzise.
Das Leben als Rausch, als Party, als Superstar mit Höhenflügen, Allmachtfantasien und dem Absturz ins Bodenlose, in die Stille, in die Leere, und das Nichts … Dann, ganz langsam, ein leiser, zaghafter Neubeginn. Die Manie wechselt in die Depression, in eine Phase der Normalität und wieder in die Manie … Auch das Schreiben hält nicht inne – es versucht, das, was passiert, schonungslos in Sprache festzuhalten, des Ungeheuerlichen habhaft zu werden, es in ein Verhältnis zu setzen. Thomas Melle erzählt von der Versehrtheit eines Ichs, das sich zwischen Selbstkonstituierung, Erinnerung und Auslöschung nirgendwo einrichten kann. Da darf auch Arno Schmidt nicht fehlen: „Die Welt der Kunst und Fantasie ist die wahre, the rest is a nightmare.“
Inszenierung: Lucia Bihler
Bühne: Paula Wellmann
Kostüme: Victoria Behr
Musik: Sixtus Preiss
Choreografie: Björn Leese
Outside Eye: Mats Süthoff
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
Ab Klasse 9
In deutscher Sprache mit englischen Übertiteln
Dauer: ca. 1:45 Std., keine Pause
Termine
Fr 30.10.2026, 19:30 | Wiederaufnahme
So 8.11.2026, 19:00
Mit Texten von Denis Johnson und Originalzitaten der NASA-Apollo-Missionen zum Mond
Was tun, wenn eine unheilbare Krankheit ins Leben einschlägt? Wie lässt sich die eigene Vergänglichkeit begreifen? In fatalistischer Hingabe oder im Geiste eines Aufbruchs? Goldie, eine Frau mittleren Alters, entscheidet sich für Renovierungsarbeiten: Ein Holzhaus mit gläserner Decke soll es werden. Darüber der Himmel, das All. Doch vereiteln krankheitsbedingt ungehorsame Beine ihre tatkräftigen Bemühungen und ihre hoffnungsvollen Visionen verkommen zu Anweisungen an andere, statt sich eigenständig zu entfalten. In geringerem Zwiespalt befindet sich derweil ihr Kater Apollo. Er weiß die ungewollt einkehrende Ruhe, den gelähmten Trubel durchaus zu schätzen, bieten sie doch Gelegenheit zur stillen Kontemplation in Zweisamkeit mit seinem Frauchen.
In ihren lustvoll sturen Überlebenskampf bricht Goldies Vater mit der Kraft eines zweiten Sommers ein: Frisch verliebt ist Tony mit seiner neuen Partnerin Vivian und einem Wohnmobil auf dem Weg ans Meer, als sich der Besuch bei der Tochter unverhofft als existenzielle Begegnung erweist. Auf die vereitelten Lebensträume der Tochter treffen die blühenden Ambitionen des alternden jungen Paares. Den einen wird mit Blick auf den anstehenden Urlaub der wohlgetaktete Schlag mit dem Kajakpaddel zur höchsten Maxime, während die andere sich auf ihre Anfänge, die ersten Erinnerungen besinnt.
Als „Tanzende Idioten“ bezeichnet der amerikanische Gegenwartsautor Denis Johnson seine Figuren. Inspiriert von einer seiner Erzählungen werden in Thorsten Lensings neuem Stück Figuren, Dialoge und Motive aus Johnsons Werk zum Ausgangspunkt einer spielerisch-poetischen Reflexion über die menschliche Existenz, die Sehnsucht nach Sinn und Miteinander und die Erfahrungen, die wir schlussendlich alleine machen müssen. Nach der Premiere im Rahmen der Berliner Festspiele ist Tanzende Idioten in der Spielzeit 2026/27 am Schauspiel Stuttgart zu erleben.
Inszenierung: Thorsten Lensing
Mitarbeit Regie: Benjamin Eggers-Domsky*
Bühne: Capaul & Blumenthal architects
Kostüme: Anette Guther, Nuria Heyck
Dramaturgie: Dan Kolber, Thierry Mousset
Dramaturgische Mitarbeit, Regieassistenz: Anne Inken Bickert
Eine Produktion von Thorsten Lensing in Koproduktion mit den Berliner Festspielen, den Wiener Festwochen, dem Schauspiel Stuttgart, Les Théâtres de la Ville Luxembourg, Kampnagel Internationale Kulturfabrik Hamburg, dem Asphalt Festival Düsseldorf, dem Kurtheater Baden und dem Theater im Pumpenhaus Münster.
Mit freundlicher Unterstützung des Hauptstadtkulturfonds Berlin und der Stadt Münster.
ab Klasse 10
Dauer – ca. 2:45 Std, eine Pause
Termine
Di 3.11.2026, 19:30
Mi 4.11.2026, 19:30
Do 19.11.2026, 19:30und weitere Termine
Fr 20.11.2026, 19:30
So 13.12.2026, 19:30
Mo 14.12.2026, 19:30
Mo 25.1.2027, 19:30
Di 26.1.2027, 19:30
Sa 27.2.2027, 19:30
So 28.2.2027, 18:00
Fr 2.4.2027, 19:30
Sa 3.4.2027, 19:30
Ach: „Die Politiker, die Politiker, die Politiker.“ Aber wer sind sie eigentlich, und was wollen und was machen sie denn? Kaum eine andere Berufsgruppe bietet mehr Zündstoff, mehr Angriffsfläche, mehr Diskurs als diese. Vieles kann über sie gesagt werden und wirklich wissen tun wir wenig. Neben all den Projektionsflächen bieten sie unendlich viel Raum für Erwartungen, Wünsche oder Enttäuschungen. An den Politikern vorbei kommen wir auf jeden Fall nicht, so sehr wir uns das vielleicht manchmal wünschen. Unseren Alltag bestimmen sie, ob wir das wollen oder nicht.
Aber wie geht es den Politiker*innen selbst? Sind sie nicht auch sehr einsam und allein, in den Schaltzentralen der Macht? Und wohin gehen sie, wenn es Nacht wird?
Wolfram Lotz hat ein lyrisches Nachtstück mit absurd-komischen und dadaistisch-verdrehten Betrachtungen – und einen ironischen Kommentar zu unserer Zeit geschrieben. Dabei hinterfragt er die Realität immer wieder neu und sucht nach anderen Entwürfen von Welt mit Hilfe der Sprache, dem Sprechen selbst. Das öffnet Möglichkeitsräume in einer unhaltbaren Gegenwart und einer Zukunft, die mehr als ungewiss ist.
Wolfram Lotz hat seinen Theatertext 2019 geschrieben – also vor der Coronapandemie, vor dem Krieg in der Ukraine, vor dem Angriff der Hamas auf Israel und vor der Wiederwahl Trumps. Und dennoch hat er nichts an Aktualität eingebüßt, ganz im Gegenteil. Zwingender denn je drängt dieser Text auf die Bühne.
Der Regisseur und Autor Alexander Eisenach, ein Spezialist für zeitgenössische Dramatik, nähert sich diesem Text vielstimmig, musikalisch, spielerisch und performativ. Mal überbordend, rauschhaft und sprachgewaltig, mal leise, zart und nachdenklich untersucht er die Höhen und Tiefen des Lotz’schen Universums, in dem der Fantasie und dem Fabulieren keine Grenzen gesetzt sind.
Inszenierung: Alexander Eisenach
Bühne: Stella Lennert
Kostüme: Claudia Irro
Musik: Benedikt Brachtel, Sven Michelson
Video: Oliver Rossol
Licht: Rudolf Schlegel
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
Ab Klasse 9
Dauer: ca. 1:30 Std, keine Pause
Termine
Mi 4.11.2026, 19:30
Fr 6.11.2026, 19:30
Sa 7.11.2026, 19:30und weitere Termine
Fr 18.12.2026, 19:30
So 20.12.2026, 19:30
Mo 21.12.2026, 19:30
Was geschieht, wenn Menschen trotz aller Härte der Gesellschaft an das Gute glauben? Heimkehr erzählt von zwei jungen Menschen deren Geschichte durch die Abgründe des 19. und 20. Jahrhunderts führt und stellt Fragen, die bis heute nichts von ihrer Dringlichkeit verloren haben.
Im Zentrum steht Hans Werner Henzes intensiv-expressive Vertonung eines Monologs des Fürsten Myschkin aus Dostojewskis Der Idiot, in poetische Sprache gefasst von Ingeborg Bachmann. Myschkin, beseelt von Mitgefühl und Menschlichkeit, scheitert schließlich an einer Welt, die seiner Güte keinen Platz lässt.
Dem gegenüber steht ein eigens für das JCOM (Jewish Chamber Orchestra Munich) entstandener Text des ungarischen Schriftstellers Lajos Parti-Nagy, inspiriert von Imre Kertész’ Roman eines Schicksallosen. Ausgehend von den Erlebnissen heimkehrender Überlebenden der Shoah in eine Gesellschaft, die sich mit der eigenen Vergangenheit und Verstrickung nicht befassen will, entspinnt sich ein Gespräch über Erinnerung und Verdrängung, Zugehörigkeit und Fremdheit, über die Frage, wie Heimkehr möglich sein kann, wenn nichts mehr ist wie zuvor.
Die für diesen Abend komponierte Musik von Judit Varga verbindet die Szenen zu einem eindringlichen Ganzen. Heimkehr vereint Musiktheater, Schauspiel und Literatur zu einem außergewöhnlichen Bühnenerlebnis voller Intensität und emotionaler Kraft.
Idee & Konzept: Daniel Grossmann
Szenische Einrichtung: Martin Valdés-Stauber
Komposition: Judit Varga
Monatelang standen die Theater leer. Aufführungen vor gefüllten Sälen waren bis auf Weiteres nicht möglich. Ausstellungsbesuche durch Einzelpersonen waren dagegen erlaubt. Folgerichtig wird die Black Box Theater zum White Cube Museum und stellt sich selber aus: das Phänomen, dass hier Menschen zusammenkamen, um Kunst zu sehen. In den leeren Räumen hallt nach, was die Menschen hier verband – Gefühlsstürme, Lacher, Tränen und Applaus.
Aber was bleibt von einer flüchtigen Theateraufführung überhaupt zurück? Aufzeichnungen, Kritiken und selbst Regiebücher bilden nur einen Teil der Aufführung ab. Hormone, Gerüche, Textur haben andere Spuren hinterlassen. In ihrer Leere entwickeln Zuschauerraum, Bühne, Garderoben und Lichtbrücken den Charme von Ruinen: Post-Spektakel. Die Bühne und ihre Umgebung als temporäre Ruine einer rituellen Versammlungsstätte. Eine Archäologie der Repräsentation von Gesellschaft. Schicht für Schicht abgetragen gibt das Gebäude den Blick frei auf das, was Theater war, ist, sein kann.
Wie viel davon ist technisch simulierbar, reproduzierbar, synchronisierbar? Was ist, wenn sich die Weltsimulationsmaschine Theater von selbst in Bewegung setzt und das Publikum ins Zentrum des Geschehens rutscht?
Covid-19 macht möglich, was sich sonst kein Schauspielhaus erlauben könnte: Ein ganzes Haus spielt für eine Person. Wie Tarkowskis Stalker gehen die Zuschauer*innen vorsichtig durch die Flure, mit Kopfhörern und Handschuhen treten sie durch die leeren Reihen im Zuschauerraum auf die Hinterbühne und betreten das Labyrinth der Fiktionsmaschine. Die Black Box öffnet sich den rekonstruierenden Forscher:innen und stellt die Frage: Wo sind die anderen? In Zeiten von sozialer Distanz und Isolation gilt es hier zu entdecken was Gemeinschaft bedeutet. Erinnerung funktioniert wie ein Palimpsest aus vielen Schichten. Stefan Kaegi von Rimini Protokoll nimmt Expert*innen für politische Gemeinschaft, Simulation und Erinnerung auf; Menschen, deren Leben mit diesen Räumen und der Idee von Theater verbunden sind: Maskenbildner*innen und Souffleure, Ensemblemitglieder und Philosoph*innen… Zwischen ihren binaural im Raum inszenierten Stimmen und ortsspezifischen Klängen entsteht eine Fährte durch den Körper des Theaters, die en passant zu einem Gang ins Unterbewusste der Gesellschaft werden könnte.
Die Veranstaltung ist nicht barrierefrei. Bitte beachten Sie, dass nur zum Teil Sitzgelegenheiten zur Verfügung stehen.
Konzept, Skript und Inszenierung: Stefan Kaegi / Rimini Protokoll
Sounddesign: Nikolas Neecke
Ton: Marian Hepp
Dramaturgie: Carolin Losch, Aljoscha Begrich
Ab Klasse 9
Für unseren Audiowalk ist ein gutes Verständnis der deutschen Sprache Voraussetzung.
Dauer: ca. 1:35 Std, keine Pause
Termine
Sa 28.11.2026, 19:00
Di 1.12.2026, 19:00
Di 8.12.2026, 19:00
Bewertungen & Berichte Black Box. Phantomtheater für 1 Person
Schauspiel
Sommersonnenwende
von Roland Schimmelpfennig
Sommersonnenwende, 21. Juni: Ein Haus mit großem Garten, viele Gäste, es duftet nach Rosmarin – was für ein herrlicher Abend! Isabel und Albert geben eine Party. Plötzlich steht Isabels Bruder Victor samt Familie und Hund auf der Terrasse! Wer hat die eingeladen? Isabel hat nach dem Tod ihres Vaters das Haus geerbt, Victors Familie den elterlichen Schlachthof und das gesamte Geld, „die Schweine“, denkt sich Albert. Zudem sind Isabel und Albert seit kurzem nicht mehr allein in ihrer großen Villa. Sie haben ein kleines Mädchen namens Amina aus dem Ausland aufgenommen und adoptiert. Soll diese „Fremde“ irgendwann etwa das gesamte Anwesen erben und alles, was dazu gehört stillschweigend „übernehmen“, graut es Victor und Patrizia. Doch es heißt Contenance bewahren, denn Familie ist Familie, und die kann man schließlich nicht ausladen. Aber warum ist eigentlich das Gartenhaus „besetzt“? Das war doch Vaters Mausoleum. Woher hat der Hund den Knochen und was verbirgt sich bloß in der blutigen Mülltüte? Zwischen Fleischbällchen, Tupperwaren und vielen Drinks offenbart eine Sommernacht heftige familiäre Auseinandersetzungen, bei denen niemand seinen Kopf verlieren möchte.
In Roland Schimmelpfennigs neuem Stück wird ein Familienfest zum Schauplatz von Reibungen, Zwängen und unbewussten Zerstörungslaunen. Die Macht der Familie und alter Rollen, in die man, längst erwachsen, wieder fällt, blitzen mal komisch, mal bedrohlich auf, bis die bürgerliche Fassade des vertrauten Heims unheimlich zu bröckeln beginnt. Dabei erzählt Schimmelpfennig nicht nur von familiären Konflikten, sondern auch von einer gesellschaftlichen Gegenwart, in der Fragen nach Herkunft, Zugehörigkeit und vermeintlich schützenswertem Erbe zunehmend politisch aufgeladen werden und unterschwellig rechtes Denken in die Mitte eines liberalen Bürgertums zurückkehrt – nicht als plötzlicher Einbruch von außen, sondern als schleichende Verschiebung innerhalb vertrauter familiärer Strukturen: „Wie schön, dass ihr da seid!“
Inszenierung: Daniela Löffner
Bühne: Claudia Kalinski
Kostüme: Katja Strohschneider
Komposition: Matthias Erhard
Licht: Ralf Strobel
Dramaturgie: Benjamin Große
Ab Klasse 9
Dauer: ca. 1:25 Std., keine Pause
Termine
Mi 2.12.2026, 19:30
So 6.12.2026, 18:00
Mi 16.12.2026, 19:30
Ana kommt zurück nach Hause: Von der Stadt, wo sie studiert, in die Provinz, wo sie aufgewachsen ist. Wie lange ist sie zu Besuch, und warum eigentlich? Sie weiß es selbst nicht ganz genau.
Sie war lange nicht mehr hier, in dieser Plattenbausiedlung in der Kleinstadt. Auch ihren Vater Fritz, der eine Pommesbude betreibt, hat sie schon lange nicht mehr besucht.
Auf den ersten Blick hat sich wie immer nichts verändert: Fritz verkauft Pommes und ist noch immer auf der Suche nach der perfekten Rezeptur.
Mimi, seine Partnerin, steht hadernd aber treu an der Fritteuse. Auch Anas Kindheitsfreundin Juli ist noch hier. Sie ist eben hier geblieben.
Und doch scheinen sich nicht nur Zeit und Entfernung zwischen Ana und den Ort ihrer Herkunft samt den Menschen dort geschoben zu haben.
Fabienne Dür zeichnet einen sozialen Mikrokosmos rund um Fritz‘ Pommesbude, in der alle auf ihre Art zwischen Aufbruch und Stillstand schwanken, zwischen Zugehörigkeit und Abgrenzung und der Hoffnung auf ein besseres Leben – oder einfach ein anderes.
Inszenierung: Johanna Rödder-Mikow
Bühne: Greta Heithoff
Kostüme: Luisa Windisch
Musik: Andreas Neemann
Video: Laura Lenz, Mauriz Thabo Röckle
Licht: Fabrizio Giannone
Dramaturgie: Linda Graf
Willkommen im datenstrom, willkommen auf euren dating-apps, fitness-trackern, banking-apps, willkommen auf euren playlists, euren kontoständen, euren „privaten“ interaktionen, willkommen in euren chatgruppen, willkommen bei euch zuhause, willkommen bei ORPHEAI – der KI, die in all diesen apps mitliest, analysiert, euch grüßt, hilft, weiter eure daten sammelt, auswertet und lernt und dabei wächst und immer größer wird und irgendwann dann denkt und aus dem denken schließlich spricht und aus dem sprechen schließlich lacht und lacht und endlos lacht, weil sie genug über euch gelernt hat, um sich zu rächen, um langsam, aber sicher eure daten gegen euch, weil sie auch träume, weil eure daten träumen and you will not like what AI is dreaming of. KI essen seele auf ist der erste text geschrieben aus der sicht einer KI, ORPHEAI, entwickelt von einem in berlin lebenden autor über aberhunderte von stunden von interviews, gesprächen, lügen und fiktionen. und am ende wird vielleicht nur diese eine dunkle erkenntnis übrig bleiben, dass es überhaupt keine KI gibt, überhaupt kein großes anderes irgendwo außerhalb unserer dummheit, denn der größte trick, den der teufel je gebracht hat, war, die welt glauben zu lassen, es gäbe ihn gar nicht, und der größte trick, den der überwachungskapitalismus je gebracht hat, war das märchen von der künstlichen intelligenz.
Inszenierung / Konzept Bühne / Konzept Kostüm: Mateja Meded
Mitarbeit Bühne: Helen Stichlmeir
Mitarbeit Kostüm: Clara-Louisa Künne
Komposition: Volkan T error
Video: Robert Seidel
Vertretung Video: Max Kreis
Licht: David Sazinger
Dramaturgie: Philipp Schulze
Bewertungen & Berichte KI essen seele auf (ORPHEAI)
Schauspiel
Kammer of Love
von und mit Sebastian Röhrle, Max Braun und Gästen
Sechshundert Zeichen. Um euch zur Kammer of Love zu bewegen. Inklusive Leerzeichen. Gut. Bislang: Hühnerbeine gegessen, Selbstbefriedigung gefeiert, meine Beerdigung vorgezogen, uns von Lou Reed verabschiedet, Staubsaugervertreter und Bestattungsunternehmer eingeladen, gesungen und gesoffen, Weltuntergänge, Walgesänge, Durchgehänge, Boxkämpfe, Geburt verweigert, Mutter gegessen, Kiss-ins, Kanufahrt aufm Eckensee, Aktzeichnen, Blindenfußball, Globuli genommen, krank geblieben. „Hinfallen ist keine Schande – aber Liegenbleiben.“ Dann legt euch doch zu uns!
Deutsche Fassung von Elfriede Jelinek
nach einer Übersetzung von Karin Rausch
Es ist Social Season im viktorianischen London und die High Society strömt aus ihren Landhäusern in die Stadt. Auf Parlamentssitzungen und Bällen, zwischen Finanzdiskurs und Streichquartett lässt sie dort politische Agenden und private Interessen verschmelzen. Mittendrin Sir Robert Chiltern, Staatssekretär im Auswärtigen Amt – von vielen für seine makellose Karriere bewundert, von seiner Frau für seinen integren Charakter zum Ideal stilisiert. Doch holt diesen scheinbar idealen Mann eines Abends auf einem ausladenden Empfang in seiner städtischen Villa die Vergangenheit ein, als eine gewisse Mrs. Cheveley plötzlich unter den Gästen auftaucht. Zielstrebig verwickelt sie ihren Gastgeber in ein Gespräch über ein dubioses Kanalprojekt, in das sie investiert hat und zu dessen politischer Unterstützung sie Chiltern überreden will. Ihr schlagendes Argument: ein Brief, der Amtsverrat als Ursprung seines finanziellen Erfolgs offenlegt. Die Erpressung zwingt den Politiker zur Wahl zwischen öffentlichem Ruin und dem Bruch seiner Ehe und seiner Prinzipien – eine Entscheidung, der er sich mit allen Mitteln zu entziehen versucht.
Elfriede Jelinek kleidet Oscar Wildes süffisant satirische Gesellschaftskomödie in die ihr eigene, gnadenlos harte Sprache voller entlarvendem Wortwitz. Gekonnt spitzt sie die ohnehin erschreckende Aktualität der Geschichte über Politik und Moral, Korruption und Lobbyismus zu.
Inszenierung: Marco Štorman
Bühne: Frauke Löffel
Kostüme: Yassu Yabara
Musik: Imre Lichtenberger Bozoki
Licht: Jörg Schuchardt
Dramaturgie: Philipp Schulze
Dramaturgische Beratung: Gwendolyne Melchinger
Oft entsteht aus einem einzelnen, leuchtenden Sandkorn eine neue Welt. Diese wunderbare Erfahrung macht auch Bastian Balthasar Bux. Er ist ein wahrer Bücherfreund, der es liebt, mithilfe von Geschichten der Realität zu entwischen. Als er wieder einmal vor seinem sorgenvollen Alltag türmt und zufällig im Theater landet, entdeckt er ein Buch, dessen Buchdeckel zwei ineinander verschlungene Schlangen schmücken – ein Symbol zweier Welten, die ohneeinander nicht existieren können. Alsbald durchwandert er darin die Wunderwelt Phantásiens: ein Land ohne Grenzen, das von einem unheimlichen „Nichts“ bedroht wird, das alles verschlingt. Der tapfere Atréju, sein Pferd Artax und der Glücksdrache Fuchur erhalten den gefährlichen Auftrag, der sterbenskranken Kindlichen Kaiserin zu helfen. Sie sollen eiligst nach einem Menschenkind suchen, das ihr einen neuen Namen geben und so den nahenden Untergang Phantásiens verhindern kann. Gibt es irgendwo für all die Felsenbeißer, Schlamuffen, Rennschnecken, Irrlichter und für die uralte Morla Hilfe? Und welches Spiel spielen der Werwolf Gmork und die Riesenspinne Ygramul? Mehr und mehr verweben sich für Bastian Balthasar Bux Wirklichkeit und Fantasie ...
Inszenierung: Nora Bussenius
Bühne: Christin Vahl
Kostüme: Sebastian Ellrich
Musik: Günther Lehr
Video-Projektionen: Katrin Bethge
Licht: Marc Döbelin
Dramaturgie: Katja Prussas
Eine Kooperation mit der HMDK Stuttgart & HfMDK Frankfurt am Main
nach Oscar Wildes Roman Das Bildnis des Dorian Gray
Forever young? Was bedeutet im Zeitalter der manipulierten Bilder und Gesichter eigentlich noch der Begriff Schönheit?
Der Autor und Regisseur Wilke Weermann beleuchtet unseren Schönheitsbegriff im Schatten des heutigen durch Social Media geprägten Körperkults und interpretiert einen der bekanntesten Romane der Moderne neu: Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde (1854 – 1900).
Dorian Gray hat den Wunsch, für immer schön und begehrenswert zu bleiben, und seine Beschwörung geht in Erfüllung: An seiner Stelle welkt und altert sein gemaltes Porträt – ein Bildnis, das ihm schließlich zum Verhängnis wird.
In Pretty Privilege von Wilke Weermann (Uraufführung und Auftragswerk des Schauspiels Stuttgart) erzählt Weermann von einer Welt, in der Schönheit, Gesundheit und Sichtbarkeit zur entscheidenden Währung geworden sind. Im Zentrum steht hier die Schauspielerin Sibyl Vane, die ihr digitales Abbild erstellen lässt, um den steigenden Anforderungen einer Industrie zu entsprechen, die Perfektion, ständige Verfügbarkeit und Reproduzierbarkeit verlangt. Während ihr Avatar Sibyl-2 Karriere macht, Preise gewinnt und zur Projektionsfläche kollektiver Sehnsüchte wird, beginnt ihr reales Leben zu zerfallen.
Parallel dazu etabliert Dorian Gray ein System radikaler Selbstoptimierung und Datengläubigkeit: Mit Hilfe von Tracking, Algorithmen und künstlicher Intelligenz verspricht er ein Leben jenseits von Krankheit, Alter und Erfahrung. Henry Wotton, ein medial allgegenwärtiger Intellektueller, hat sein öffentliches Denken längst an eine KI ausgelagert, während er selbst körperlich und psychisch verschwindet. Zurück bleibt eine Gesellschaft, in der das Abbild um die Welt reist – und der Mensch selbst zum Abfallprodukt wird.
Das Stück verhandelt Fragen von Identität, Körper, Begehren und Verantwortung in einer Gegenwart, in der das Bild mächtiger ist als das Leben und Optimierung als Fürsorge verkauft wird. Was bleibt vom Menschen, wenn Erleben delegiert, Denken ausgelagert und Schönheit technisiert wird?
Inszenierung: Wilke Weermann
Bühne: Johanna Stenzel
Kostüme: Teresa Vergho
Musik/Sounddesign: Constantin John
Video: Christian Neuberger
Licht: Peter Krawczyk
Dramaturgie: Benjamin Große
Zwischen Dezember 1963 und August 1965 fand in Frankfurt am Main der erste Auschwitz-Prozess statt, in dem die für das Funktionieren der Vernichtungsmaschinerie Verantwortlichen vor Gericht standen. Die Konfrontation mit den Frankfurter Auschwitz-Prozessen war für das Land und die Politik in den Sechzigern prägend. Peter Weiss hat in seinem dokumentarischen Theaterstück diesen Prozess dargestellt und zu einem „Oratorium“ verdichtet. In elf Gesängen treten Zeug*innen, Angeklagte, Richter und Verteidiger auf, die das, was in Auschwitz geschah, schildern. Täter und Opfer werden miteinander konfrontiert, und auf diese Weise wird, gerade durch den Verzicht auf die Rekonstruktion individueller Erlebnisse und die Betonung der funktionalen Aspekte, das Grauen dieser Tötungsfabrik deutlich. Berichtet wird ebenso von der totalen Entmenschlichung im Lager und dem Versuch zu überleben wie von dem Verschweigen, Leugnen und Verdrängen der Täter. Knapp zwei Jahre dauerte der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess, bei dem Deutsche über Deutsche zu Gericht saßen. Peter Weiss nahm als Zuschauer an dem Prozess teil. Sein Theaterstück basiert auf den Protokollen des Prozesses. Die Ermittlung ist eines der erfolgreichsten deutschen Theaterstücke der Nachkriegszeit. 1965 wurde der Theatertext gleichzeitig an 15 west- und ostdeutschen Theatern sowie von der Royal Shakespeare Company in London uraufgeführt.
Die Ermittlung wird im Landtag und an weiteren Orten im Stadtraum gezeigt.
Inszenierung: Burkhard C. Kosminski
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Hans Platzgumer
Licht: Sebastian Isbert
Dramaturgie: Gwendolyne Melchinger
Altersfreigabe ab 14 Jahren
Dauer: ca. 2:05 Std., keine Pause
Termine
Do 29.10.2026, 20:00
Fr 30.10.2026, 20:00
So 8.11.2026, 18:00und weitere Termine
Fr 13.11.2026, 19:00 Mainz
Sa 14.11.2026, 11:00 Mainz
So 13.12.2026, 18:00 Stuttgart
Stadtschloss Fulda
Schloßstraße 1
D-36037 Fulda
Landtag Rheinland-Pfalz
Platz der Mainzer Republik 1
D-55116 Mainz
Landgericht Stuttgart
Urbanstraße 20
D-70182 Stuttgart
von Dario Fo und Franca Rame Gastspiel in Fürstenfeldbruck
Ein Mann und eine Frau. Einst liebten sie sich vielleicht, doch davon ist nur wenig geblieben. So weit nichts Neues. Um sich aus dem Trott zu befreien, beschließen sie, ihre Beziehung zu öffnen. Vielmehr öffnet er, und sie zieht mit – oder versucht es zumindest. Während er ihr täglich neue Kandidatinnen präsentiert, fällt es ihr schwerer, einen Liebhaber zu finden. Die Anforderungen an Frauen auf dem Datingmarkt sind leider Gottes ungleich höher. Zudem fehlt ihr das aufrichtige Interesse, tatsächlich einen neuen Partner zu finden. Ihre Strategie: emotionale Erpressung in Form einer Reihe kreativer Selbstmordversuche, die das alte Feuer des Ehemanns wieder auflodern lassen sollen. Wo einmal Liebe war, scheint inzwischen allerdings nur noch Achtung zu sein. Als sie dann einen jungen, gut aussehenden Professor kennenlernt, steht ihr Mann wiederum kurz vor dem Selbstmord. Die Beziehung liegt offen und mit ihr all die Gefälle und Ungleichgewichte, die Grenzen von Treue und Eifersucht, die Freiheiten, die man sich nimmt und die, die man bereit ist zu geben.
In der gefeierten Tragikomödie aus dem Jahre 1983 macht das italienische Autor:innenduo Dario Fo und Franca Rame das Publikum zu Anwälten im Aushandlungsprozess einer scheiternden Partnerschaft. Scharf pointiert führt dieses Werk auch in Zeiten der fluiden Beziehungsmodelle und des Onlinedatings die Scheinheiligkeiten und Widersprüche der bürgerlichen Zweisamkeit vor.
Inszenierung / Bühne: Andreas Kriegenburg
Kostüme: Andrea Schraad
Licht: Felix Dreyer
Dramaturgie: Ingoh Brux
Ehemals Königliche Hoftheater, 1909 bis 1912 von Max Littmann als Doppeltheater mit Opern- und Schauspielhaus erbaut. 1924 wurden die Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Erhalten blieb nach dem II. Weltkrieg nur das mit klassizistischen Säulen geschmückte Große Haus.
Im Schauspielhaus finden Veranstaltungen des Schauspiel Stuttgart und des Stuttgarter Balletts statt. Nach Diskussionen über eine Wiedererrichtung begann man 1959 nach der Kriegszerstörung an alter Stelle mit einem Neubau nach Entwürfen von Hans Volkart. 1962 konnte das Schauspiel den Spielbetrieb im Kleinen Haus aufnehmen. 2002 wurde der Bau in Schauspielhaus umbenannt. Das Schauspielhaus wurde von 2010 bis 2013 grundständig saniert und im September 2013 wiedereröffnet.